Tech und Pizza: Warum Apple in Neapel investiert

  • Stipendien für 400 Informatiker

  • Apple sucht Europas beste Developer

Giorgio Ventre, wissenschaftlicher Direktor der iOS Developer Academy von Apple in Neapel
Giorgio Ventre, wissenschaftlicher Direktor der iOS Developer Academy von Apple in Neapel

„Wir machen Pizza, aber auch Technologie.“ Der Informatik-Professor Giorgio Ventre, wissenschaftlicher Direktor der iOS Developer Academy von Apple in Neapel, räumt mit einem Vorurteil auf. Ich treffe ihn bei der Konferenz SMAU in Berlin, die 50 Start-ups aus Italien mit Investoren in Deutschland vernetzen sollte.

„Entgegen einem verbreiteten Vorurteil ist Neapel eine sehr technologische Stadt“, erklärt mir Ventre. Das Softwareunternehmen Accenture hat 1600 Mitarbeitern, die Software-Schmiede von Telekom Italia 600. Eine hohe Zahl von mittleren und kleinen Softwareunternehmen arbeitet den großen Playern zu.

Warum Apple in Neapel investiert

Apple hatte vor einem Jahr mit der Nachricht überrascht, in der süditalienischen Millionenstadt eine Akademie für App-Entwickler mit 100 Studienplätzen aufzubauen. Sie ist Teil der Universität Federico II., die der gleichnamige Stauferkönig im 13. Jahrhundert gegründet hat.

„Es gibt keinen bestimmten Fokus, was die Studenten der Academy entwickeln. Das entscheiden sie selbst“, sagt Ventre. Sie lernen Programmieren, die erforderlichen Technologien, Interface Design – also wie der Nutzer bei der Interaktion ein möglichst positives Anwendungserlebnis hat – und auch, wie man ein Unternehmen auf der Basis einer App aufbaut.

Challenge based learning

„Es geht nicht in erster Linie darum, Programmierer auszubilden“, sagt Ventre. „Vielmehr wollen wir professionelle Kenntnisse vermitteln, die Menschen helfen, tolle Apps zu erfinden.“ Dazu sollen sich die Studierenden mit einer Vielzahl von Ideen auseinandersetzen.

Deshalb gehört der Dialog mit Unternehmen zum Programm. So lernen die Studierenden die Probleme im Digital Health Sektor, bei Mobilitätsdienstleistungen oder im Bereich der digitalen Medien kennen. „Wir wollen, dass die Besucher der Developer Academy ihre eigenen Aufgaben suchen“, sagt der Professor.

Apple nennt das Prinzip „challenge based learning“ – also Lernen, das sich an Herausforderungen orientiert. „Es gibt also keinen Hörsaal, in dem die Studenten in Reihen sitzen und vorne ein Professor steht und Powerpoint-Folien zeigt, sondern ein Lab mit studentischen Arbeitsgruppen.“

400 Studenten im nächsten Semester

Die Academy hat in diesem Jahr mit 200 Studenten begonnen. „Wir wollten erst mal sehen, ob alles klappt“, sagt Ventre. „Im nächsten Kurs nehmen wir 400 Studenten auf, die mit einem Stipendium von Apple und der Regionalregierung von Campania unterstützt werden können.“

Neu: Es wird eine Master Class geben für Studenten, die bereits einen Abschluss haben. Der Fokus wird auf Mobile Software Engineering liegen. Sie werden sich nicht nur mit der Entwicklung von Apps beschäftigen, sondern zum Beispiel auch mit Internetsicherheit.

Der erste neunmonatige Kursus lief offenbar gut. „Wir sind vom Enthusiasmus der Teilnehmer überrascht“, sagt Ventre. Das Programm komme bei den Beteiligten an. Vom ersten bis zum letzten Tag hätten sie die Veranstaltungen besucht. Am 28. Juni werden die Studenten ihre Apps bei der „Future Fair“ vorstellen.

Wie Apple Bewerber castet

Dazu wurden auch Unternehmen eingeladen. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Absolventen Jobs bei Unternehmen in Neapel oder an anderen Orten in Italien finden“, erwartet der Professor.

Ventre will die Akademie öffnen – nicht nur für Neapel, sondern für Europa. In diesem Jahr wählt sie Bewerber aus ganz Europa aus: unter anderem in München, London, Madrid. „Wir wollen die besten Studenten aus ganz Europa haben“, sagt Ventre. Wenn die Studenten ihre eigenen Start-ups gründen, können sie sich dem Incubator betreuen.

Neapel ist „Italy by itself“. Die Regierung hat ein Programm für die Industrie 4.0 aufgelegt. Es wird auch in schnelle Internetverbindungen investiert. Auch die Regionalregierung von Campania macht eine Menge für Start-ups. Neapel ist eben nicht nur Pizza.

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